Varia: XXVI.5 (The Brown Notebook)




Source: Nachlaß Herder XXVI.5 (Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz)


Studienbuch O

Braunes Studienbuch
(NL-Herder XXVI.5)

The so-called Braunes Studienbuch (Brown Notebook) is a quarto volume (17.5 x 20 cm), 70 sheets, with a brown cover. It is paginated (apparently by Herder) as I-IV (with I as the title-page) and then 1-137 (the inside back cover is p. 137). The text is all in ink (dark brown or black, on one page red), with pencilled markings by a later user. On the title-page (p. I): “Beiträge / fürs / Gedächtniß. / 1761. / 1762ff.”[1] Below which is a quote: “Der Weise / Der minder liest, als denkt, ˚.und minder schreibt, als liest. / v.on Creuz.”[2] On p. II is a quote from Horace. This notebook is a collection of thoughts, notes on books read, sketches of letters, as well as a few lecture notes.

Haym believes the notebook was begun when Herder was still in Mohrungen and then continued while at the university (1880, i.21).

Previous transcriptions: None of these pages were transcribed in Irmscher [1964] or the Academy edition.


Other transcribed text from this notebook can be found at MP (RP/NT 796) (notebook pages 32-33) and Varia (Mathematics) (notebook pages 9, 10, and 21).


Contents

[1] “Vom Gottes daseyn”

[25] Herder’s daily schedule

[34] “Geschichte des Menschlichen Verstandes”

[66-83] Alphabetical entries on persons and things: Basedow, Hume...

[123] “den 21. Aug. bei Kant das Collegium angefangen”


The notebook was begun while Herder was still in Mohrungen [Haym 1880, i.27], apparently from what is now the back of the notebook, on p. 134, where we find three pages of calligraphic text (also on p. 129). Other than this, there is text in black ink and a blunt tip that also shares this (upside down) orientation — pp. 137 (the inside backcover), 135, 131, 130, 123, etc. An early division in the notebook was in terms of disciplines: theological, philosophical, “something for practice,” historical, poetic, oratorical, geographical/physical, and “assorted matters from literature.”

Two entries are of particular interest:

(1) On p. 32: “bey Kant. 1sten mal. d. 21 Aug”[3] followed by two pages of notes from Kant’s metaphysics lectures concerning Baumgarten, §§796-808 (rational psychology and natural theology).

(2) On p. 123: “den 21. Aug. bei Kant das Collegium angefangen”[4].

The second entry of the August 21 class, at the top of p. 123, appears to be a brief recounting of that semester, also noting his matriculation date with the university, and then giving what could be a list of textbooks needed that semester (including prices in florins and groschens). There are also various light pencil markings that presumably stem from Bernhard Suphan (1845-1911), the editor of Herder’s Sämtliche Werke (1877-1913). For example, after a parenthetical note by Herder in dark brown ink — “(Er lebt; er herrscht)” — is the pencilled word ‘Pfingsthens’, next to Herder’s list of books and prices (in dark brown ink) is the pencilled word: ‘Studienmittel’, and next to the remark about attending Kant’s lecture is the pencilled note: ‘Zur Biog’.


[1] “Articles for memory. 1761. 1762ff.”

[2]The Sage. Who reads less then thinks, and writes less than reads. / von Creuz.” Friedrich Karl Kasimir Freiherr von Creuz (1724-1770) was a German poet and civil servant who served out his brief life as a Hofrat (eventually Reichshofrat) in Hessen-Homburg. He was primarily an autodidact, with only a Gymnasium education for formal training. Herder quotes from his poetry in the "Poetisches Fach" portion of the notebook (pp. 66-83).

[3] “With Kant the 1st time, Aug 21”.

[4] “the 21st of Aug, begun the class with Kant”.


[XXVI.5] ms 1



/         Von Gottes daseyn. bes.onders ˚.aus ˚den unendl.iche Verlangen unendl.ichen Wahrheiten

/ Das Daseyn ˜Gottes haben bewiesen Newton ˚.aus den künstl.iche Struktur des Weltgebäudes, wowider Maupertuis ˚das Übel ˚der Welt ˚.einwendet

Maupertuis ex lege minimae actionis das jede Wirkung ‹˚der Natur› etwaz kleinstossig. Ferner ˚.aus dem Ruhe des Gewissens, welchen doch ˚die

Atheisten ˚nicht annehmen, ˚.aus dem Anfange ˚der Welt, welch doch ˚.auch noch Schwirigkeiten zu unterworfen ist. Bentley ˚.aus ˚den Urspr.ung ˚der Seele

Sagt [a] ˚.hat ˚.man ˚die Unsterblichk.eit ˚der Seele ˚.aus dem Genuß ewiger Wahrheiten zu erweisen gesucht. ˚.Man sagt bei dem Trrth. fühlt ˚die

Seele allem vil etwz Leeres ˚.und befürchtet ˚den Unterergang. ˚Die Wahrh.heit hergegen erhalte ˚den Menschen ruhig ˚.einflöse ihn ˚den Weuche.s.er

innere zu besizzen. ˚Die Wahrheiten sind also wz wirkliches ˚.und ˚.auch wz ewiges. ˚Die Wahrh.eit ist ˚.auch in dem Wahreit andere etwz erhabens

˚weil s.ie ˚werde doch eloren gelen, ˚.werden ˚die Mensch.en Seele als ˚das Subj. ˚der Wahrh.eit [c] ¿¿¿¿¿ würde. ˚Die Wahrh.eit besteht ˚.auch unerk.annt ˜Gottes. ˜Gott würde also

gleichsam selbst [c] ˚weil er ˚die Erk.enntnis s.ie selbst verstörte. Denn ˚weil an d.er Seele Wahrh.eit denken ˚der Substz andre können, so wäre es doch un-

gerecht ˚.auch ˚eine andre. zu vernunft.en [d] Dieser Beweis scheint zw.ar unter ˚die Vermuntlichen ˚den zu gehören, aber nur ˚.aus ˚der Vretrifl.ichen er Sache s.ein

etwa ewige Dauer etwz unsicheres schliessen. Dies ist indessen ˚.ein [e] moralisch gewiss.er Beweis ˚.vor Das.ein ˜Gottes. ˚.Man ˚.hat in ˚den einere

˚Zeiten in uns.ere Seele ˚eine .... ....rube [f] ˚.weil bes.onderes weilen ˚.und Begierden enterdukt ˚.von ˚den Werth ˚.und ˚die Seltenh.eit diese geistig Subst.anz erhöhen

ich bemerkt in ˚meiner Seele ˚.mit ˚einer bes.onder Zeichnung ˚die begierde noch unerkl.arlichen Wahrheiten. die so unendl.ich ist als ˚die Wahrheiten ˚sich selbst, ihre

Gegenstörende. Kein Kind bleibt bey einzel.nen Wahrheit.en ˚und ˚wenn ˚.auch ˚keine Lehr. dawären, ˚die daßselbe 1. ˚der Prilsaienen Waslth. ˚der Ruthe ˚.von ˚.auch b.d. zu höherer

Erk.enntnis brachte, so würde ˚aufs schon ˚.von selbst darnach verlangen. ˚.Exempel Bauer ist ˚von diese Rorracht ˚nicht ˚ausgeschlossen. ˚Die Sange dage wirkt nur ¿¿ ¿äter in ¿¿

als bei andere. Unter dem Schein s.ie felden zu bessere ˚.und ¿ garten Bauenreich zu machen, ist er nach neuen Oekonemischen Erhinderung beginrig.

˚Die Erfahrung bestätigt es daß diese Begierde ˚sich gleich s.ein noch unendl.ich nache, je mehr s.ie in ˚der Uebung bleibet. ˚.wie ˚der Magnet ¿¿¿¿¿¿¿barer werden

je mehr ˚.man ihm flegt! ˚.Exempel Gelehrt, die Längl. erfindet wil tägl. mehr lesen ˚.und erfinden. s.ie Durst ist unendl. ˚Die Seele ˚werden also gleichsam

in ˚eine Art ˚der Schoermnth ˚.und Verzehrrihr selfst ˚viel allen, ˚wenn ˚das Rch ˚der Wahrheiten an neuen Objekten ˚.und unendl.iche Veränderung erschöpft wärn.

S. ˚werden ˚sich neue Welten sch¿¿ ˚.und neue Trrthmänner statt Wahrheiten erkl.ärungen zum wenigsten keig ja ˚die diht so gl. in ˚den Cimmel ˚.und ˚werden im

sind es Schöpdr. ov a. fl. in ˚den

Ek

bew. ˚wenn ??? $Gottes ˚.aus ˚den Wesen

E. wäre ˚.wen selbst vermittelst diese begierde noch unendl. Wahrheiten

nichts würde s. ˚sich obgl. ohne

nach ˚.und kommt ˚.aus ˚der Tradition fer:

Vollkommenh.eit geb

schliessen daß diese un

˚zwar klein er s. so ˚.wie ˚die Welt ˚eine ung

unvollko

s. ˚ine unendl. Subst. z. Urspr. haben. So muß ˚.eine $Gott segen Obi.ectio diese beg.

Obj. un

Wahrheiten dürsten diese beg: ˚werde

zur andern über sp

nach unendl Wahrheiten haben

Seele, ˚.und ˚.aus unendl. Wahrheiten selbst ˚die Wahrh. ˚das ˚.ein $Gott seg, zu erweisen.

[datum: ]


[XXVI.5] ms 25



Abgötterie grobe ˚die heiden etc

subtile die 1sten an ˚sich selbst – an andere Stolz [a] ˚der über ˜Gott ˚sich erhebend, ˚durch ˚die höchste Jurist, liebe ˚und Vertr. – ˚Der 1ste Abgötter war

Adrin, dessen Götze warer selbst ¿ Eigenliebe. ˚den Stolz (b) Geiz, da jemand ˚sind Güte ˚die hochste ˚.sich li Vertr. schenkt

/               (c) Schohll.    ˚seinem Bruch

7-8. Roußeau. 8-9. [b] praparat. im fr. ˚.und ode

[c] 3-4. histor.ie 5-6. handlungssachen: – 6-7. spazziergehen: 7-8. Biblioth. 9-10 Theol.ogie 10-11 Roußeau

–––––––––––––––––––––––––––

˚.und schöpferisch ihn formt, […]

[datum: ]


[XXVI.5] ms 34



/ hangt des Künst lebens Unterschied zw.ischen Guten ˚.und bösen ˚.von ˚den Verdiensten ˚oder des Schopfers Will ab

     / Geschichte des Menschl.ichen Verstandes 1) überhaupt;

/ (1) Art: Begriffe zu erhalten: 1) ˚durch ˚die Sinne: Verschiedenh.eitWahrh.eitUeber˚.einstimmungReichthum – Entwicklung ˚.von Gefühl

                 bis Ges¿¿t – ˚.Von wahren bis zum schönen; –

         2) ˚durch ˚die Erfindung: Einbildungskr.aft, fiktieren, Wahrsagungskunst, Wiz

               Entwickelung des sinnl.ichen Menschen z.ur Verstandes Menschen; –

               Ursprung ˚der Gelehrs.amkeit etc. Grade ˚der Erfindung ˚der Wissensch.aft ˚.und Künste;

               Wägung ˚der Erfindungen; – ˚der Denkende des Mensch.en Verstandes –

/ (2) Begriffe auszudrucken: Entstehungsart ˚der Sprache; Geschichte ˚der Sprache einzeln;[a] ˚.und weiter Sprachen; –

/ α) Geschichte des Schönen, in ˚der Erfindung;

                 im Ausdruck; – Entstehung ˚der Wissenschaften, daher

  Geschichte des Guten, im verschiedene Begr.iffe

                 in ˚der Moral druber;

                 (2) Besonders; waz gehört zu jeden Erfinder?

                      (1) an Genie: an leib ˚.und Seele;

                      (2) an Hülfsmitteln; Erziehung. Vorgänger, Anspornung, ˚nicht hindernissen

                           (1) [b] Geschichte des Mensch.en Verstandes in Absicht ˚der Veranderung

                              ˚der Wissenschaft etc[c]

[datum: 02.11.2013 / 30.06.2014]


[XXVI.5] ms 67



[Pp. 66-83 consist of alphabetically arranged entries, like a small lexikon. This is the page for 'B' with three entries.

Basedow: als Dichter betrachtet schlecht; als Redner sehr mittelmäßig ˚.und oft langweilig, als Dogmatiker der

Wissenschaften, unphilosophisch, verworren ˚.und selten neu, je mehr ers ˚.sein will. ˚.Sein Oratorie mag vielleicht ˚.sein

mittelmässig bestes Werksege, nur wenn er sich in die Philos.ophie vertieft, so stolpert er; — ˚.sein Poetik ˚.hat wenig eigenes

als ˚denn Begr.iffe ˚der Dichtkunst, ˚.und ˚wie verworren ist die! — Seine Philalethia mag im Philosophischen Theil viel güte Gedanken.

˚.und neue Ausschriften zeigen; ˚die aber nie entwickelt ˚.und erschaffen ˚sind; – ˚das Wort Philalethia; und Anthropol.ogie ˚.und Theol.ogie

gäbe ˚eine leitsachen zu weit reiche [‘und ein’ is crossed out] einere ˚.und wenig @schlarichten@ Entwickelung.

Batteux: […]

Baumgarten: […]

[datum: ]


[XXVI.5] ms 73



[Pp. 66-83 consist of alphabetically arranged entries, like a small lexikon. This is the page for 'H' with four entries. ‘Haller’, ‘Hagedorn’, and ‘Home’ have no accompanying text.

Haller

Hagedorn

Herbst. In den unbegrenzten Herbste erscheint die Güte in gelber

fliessender Pragt: aus deinen Schoos der ˚sich über ˚die Natur verbreitet, fällt

verschwenderisch ˚.ein Regen ˚.von bunten Früchten herunter, ˚.und ergießt ˚sich, gleich im

leuchtenden Strome, in ˚die Vorrathskammer ˚.auch des unfruchtbaren Winters @Choch.@

Home

Hume, ˚der Pyrrho unsere Zeit, ˚.hat in s.einem Metaphys.ischen Versuch ˚den Hauptzweifel ˚.von unserer Schlußart a posteriori ˚.eingenommen ˚das s.ie

˚nicht a priori gewiß s.ein könnte: Um ihn zu wiederlegen wird ˚.man also ˚die subjektive Gewißheit bestimmen, ˚.und ˚die mögl.ichen

Schlußarten in Absicht des R.aums, ˚der Zeit ˚>und ˚der Kraft bevestigen müssen; als denn ˚.hat ˚.man ihn @ganz@ widerlegt, da alles übrige blos

˚eine Bekleiderung dieses Skelets ist.

[datum: ]


[XXVI.5] ms 123



d.en 10. [a]

d.en 21. Aug.ust bei Kant[1] ˚das Coll.egium angefangen.

Gravesand [b] Phil. Newton: Institut. 3 R. 15 gl.[2]

Crus.ius Schriften 16 R. Wüstemann 2 R.

Hume 4 Abhdl. 1 R.

     Vermischte Schr.iften 7 R.

Hutches.on Leidenschaften 1 R. 15 gl.

     Schönh.heit

     Moral

Baumg.arten Ästhetik 2 R. 15

     Metaph.ysik 1 12.[c]

Meiers Ausz.ug ˚aus ˚der Ästh:etik 15.

Moldenh.auer Antiquit.en

Reimarus nat. Rel 2 L. 15 gl.

Heinecui Elementa stili 2 R.

[datum: 27.10.2013 / 30.06.2014 / 11.06.2017]


Explanatory Notes
[XXVI.5]

ms 123


[1] [bei Kant] A similar entry is found on p. 32 of this notebook (see).

[2] [15 gl] This list of books appears to concern the following:

Willem 's Gravesande (1688-1742),

Isaac Newton (1642-1727),

Christian August Crusius (1715-1775),

[??] Justin Elias Wüstemann, Einleitung in das philosophische Lehrgebäude des Herrn D. Crusius (Wittenberg: Samuel Gottfried Zimmermann, 1757), (xxx), 666 pp.

David Hume (1711-1776), 4 Abhandlungen

——, Vermischte Schriften, 4 vols, edited by Johann Georg Sulzer (1754, 1755, 1756, 1756). […]

Francis Hutcheson (1694-1746), Abhandlung über die Natur und Beherrschung der Leidenschaften und Neigungen und über das moralische Gefühl insonderheit (Leipzig 1760), (xviii), 356 pp., translated from the English by Johann Gottfried Gellius. Includes a 2 pp. preface by the translator. Original title: Essay on the Nature and Conduct of the Passions (1728). (The Gellius translation is also listed by Warda as belonging to Kant’s library.)

——, Schönheit

——, Moral

Alexander Gottlieb Baumgarten, Ästhetik

——, Metaphysica

Georg Friedrich Meier (1718-1777), Auszug aus den Anfansgründen aller schönen Künste und Wissenschaften (Halle: Carl Hermann Hemmerde, 1758), 176 pp.

Johann Heinrich Daniel Moldenhauer (1709-1790), Antiquariat

Hermann Samuel Reimarus (1694-1768), Abhandlungen von den vornehmsten Wahrheiten der natürlichen Religion (1755).

Johann Gottlieb Heineccius (1681-1741), Elementa stili


Textual Notes
[XXVI.5]

[Here is a mark-up key for the transcription.]

ms 1


[a] An 'Überhaupt' is crossed out.

[b] A 'v' is crossed out.

[c] A 'selben' is crossed out.

[d] A word is crossed out.

[e] A word is crossed out.

[f] A word is crossed out.

ms 25


[a] A '˚nicht ˚durch' is crossed out.

[b] A 'historie ˚.und' is crossed out.

[c] A '3-¿' is crossed out.

ms 34


[a] An 'unter den' is written below 'einzeln' and crossed out.

[b] A 'waz gehört zum' is crossed out.

[c] Bottom half of the page is blank.

ms 123


[a] '1762.' is written after but above the '10.', in the same ink. Text that follows, written in a very open hand across the top of the page, has been scratched out: 'immatriculiertet und nach das Collegium gezogen'.

[b] A 'Princ.' is crossed out.

[c] On the next line, but crossed out: 'Logik 1'.